Heute vor zwei Jahren ist meine Großmutter Lütfiye verstorben.
Ich
denke an dich, liebe Oma. Du bist eine lebenslustige, mutige, tapfere
und kämpferische Frau, liebenswerte Mutter und Großmutter gewesen. In
den letzten Lebensjahren hast du durch den Kampf mit dem Krebs in dir
viel durchgemacht und ich war nicht für dich da. Ich habe mich
geweigert bei dir zu sein, mit dir zu reden; es tut mir leid. Ich
schämte mich so sehr, 14 Monate woanders gewesen zu sein, weil ich
Freiheiten für mich beanspruchte. Ich habe die Hoffnung, du hattest
keinen Groll mir gegenüber, obwohl ich deiner Bitte nicht nachkam,
mindestens meine Stimme zu hören. Ich weine das erste mal, weil mir
gerade bewusst wird, was ich für dich damit angerichtet haben mag. Ich
bin so froh, das dein Sohn bei dir war.
Mein Vater war die
letzten drei Jahre für dich da. Er hat sich um dich gekümmert, dich
gepflegt und hat dich auch in deinen letzten Stunden und Minuten nicht
alleine gelassen. Er hielt dich in seinen Armen, du sagtest noch habe
keine Angst mein Sohn...und du atmetest das letzte mal aus. Du hast ihn
verlassen, auch er ist gezeichnet von der Zeit mit dir. Er liebt dich
sehr. Ich kenne keinen anderen Sohn, der seine Trauer so sehr zeigt,
weil die Mutter ihn verlassen hat.
Leider weiß ich so wenig
von dir. Du bist so früh zurück gegangen in die Türkei, obwohl du es
nicht wolltest. Ich war damals elf Jahre alt. Großvater hat dir sicher
nicht die Freude am Leben nehmen wollen. Ich will nicht denken, dass er
es getan hat. Ich will hoffen, dass ihr die meisten eurer Ehejahre
glücklich miteinander wart.
Seni Seviyorum Baba-Annecim
Ich muss an meinen Großvater Theo
denken... Manchmal sinniere ich auch darüber, was ich hätte in unserer
Beziehung besser machen können, was ich hätte tun können, um ihn
glücklicher zu machen. Ich habe ihn auch nicht so lange gekannt. Er
starb, als ich gerade 18 war.
*umarm*